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Kirche Allmuthshausen

Thesen zur mittelalterlichen Nutzung der Kirche zu Allmuthshausen und der Wasserstelle

(Pfarrer  Ralf Ruckert, Stand: Mai 2005)

Die schwierige Datierung:

Die nördliche Kirchenmauer über dem Höhleneingang stammt vermutlich aus dem 10. bis 12. Jahrhundert, weil sie teilweise mit dem damals benutzten Fischgrätmuster gemauert ist und ein karolingisches Portal enthält. Die Grotte kann schon zu Zeiten einer Vorgängerkirche dagewesen sein.

 

  • kirche-allmuthshausen

 

Das Verschließen des Ganges mit Erdreich und damit das Ende der Nutzung fallen wahrscheinlich in die Zeit nach der Reformation (Reformation in Hessen 1526). Das heißt, vermutlich hat man seitens der jetzt evangelisch gewordenen Amtskirche einen Brauch aus katholischer Zeit für überflüssig erklärt und abgeschafft.

Argumentation:

In diese Zeit weist das Ergebnis der analysierten Holzkohle aus dem Erdaushub (1516-1598 – Wahrscheinlichkeit 70,6%). In der Bauakte von 1781, die sehr detailliert die Maßnahmen schildert, finden sich dann auch keine Hinweise auf den Gang mehr. Fast überall wurden mit der Reformation rituelle Bräuche wie Prozessionen, Fastentradition u. ä. abgeschafft und Einrichtungen wie Heiligenbilder u. ä. zerstört.

 

Thesen zur Wasserstelle:

 

1. Osterthese

Die Höhle kann als symbolisches Grab für den Leib Christi gedient haben. Dann wäre die geweihte Hostie in einem Behältnis von Karfreitag bis Ostern hier aufbewahrt und dann in einer Prozession zurück in die Kirche geholt worden. Am Eingang der Höhle kann der Dialog der Engel mit den Frauen am Grab aus dem Osterevangelium aufgesagt worden sein. Das Wasser wäre dann als Symbol des Lebens zu deuten und könnte – weil es in der Osterliturgie vorkam – als kirchlich autorisiertes „Osterwasser“ gegolten haben. Wasser als Heils- und Lebenssymbol ist ein vertrautes biblisches Bild (vgl. z. B. Hesekiel 47 im Alten Testament, und die Tauftradition des Neuen Testamentes).

Argumentation:

  • Erwiesenes Vorkommen eines solchen mittelalterlichen Brauches mit Heiligem Grab im Dom zu Würzburg, wo sich auch eine gefasste Wasserstelle befindet.
  • In unserer Region soll es in Treysa ein Heiliges Grab gegeben haben.
  • Der Volksbrauch des Osterwassers, der in der Region noch von einzelnen gepflegt wird, möchte ein Überbleibsel dieser liturgischen Handlungen sein, das sich nach ihrer Ausrottung durch die Amtskirche inoffiziell erhalten hat. (Osterwasser ist am Ostermorgen vor/bei Sonnenaufgang zu Fuß, barfuß und schweigend an einer Quelle zu holen. Ihm wird gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben. In ein sauberes Gefäß gefüllt soll es über Jahre klar und frisch bleiben)

  

2. Pilgerthese

Da in der Mittelalterkirche zu Allmuthshausen sich mit größter Wahrscheinlichkeit eine Reliquie befunden hat (Reliquienbehältnis in der alten Altarplatte), könnten sich Pilger vom Besuch der Kirche Heil versprochen haben. Um an diesem Heil Anteil zu bekommen, kann der Verzehr oder das Mitnehmen von Wasser ein wichtiges Element gewesen sein.

Argumentation:

  • In der Domkirche zu Trondheim befand sich im Mittelalter neben dem Altar mit den heilversprechenden Gebeinen des Heiligen Olav ein Brunnen, von dem Pilger Wasser tranken und für ihre Angehörigen mitnahmen, wofür sie der Domkirche Gebühren zu entrichten hatten. Die Reliquien und die gefasste Wasserstelle befanden sich in unmittelbarer Nähe zu einander.
  • Die ältesten im Pfarrarchiv Waßmuthshausen befindlichen Schriften sind die Kirchenrechnungen ab 1593. Hier ist immer wieder von durchreisenden Armen die Rede, zum Beispiel ein ehemaliger und nun verarmter Schulmeister aus Waldcappel 1595. Die Gemeinde lag also damals an einer Durchgangsstraße, auf der sich einige Jahrzehnte früher in der katholischen Zeit auch Pilger bewegt haben dürften.
  • Neben der Wasserstelle ist eine Nische, in der eine Person hocken kann. Daneben passt eine weitere in den hier auslaufenden Gang (in diesem Fall Priester und Pate/in).
  • Neben dem Abstieg zur Höhle weist die mittelalterliche Nordmauer der Kirche ein zugemauertes karolingisches Portal auf. Im Mittelalter wurden Kinder oft im Eingangsbereich einer Kirche getauft, um die Dämonen abzutöten, bevor das Kind den heiligen Raum betritt. Allmuthshausen ist aber so klein, daß die Kirche keinen nennenswerten Eingangsbereich hatte.
  • Die Kirchenrechnung von 1596 (also nach Verschließen der Höhle) bezeugt die Anschaffung eines Taufsteins, gekauft bei einem Steinmetz Johannes aus (Groß-) Ropperhausen (NB: Es handelt sich um den derzeit noch benutzten Taufstein. Der Taufstein in Leuderode, der ihm nahezu gleicht, trägt die Jahreszahl 1579). Die Anschaffung eines Taufsteins kann nötig geworden sein, weil man nach der Reformation von dem katholischen Brauch und dem Dämonenglauben Abstand genommen hat.

3. Taufthese

Die Wasserstelle unter der Kirche könnte zur Kindstaufe benutzt worden sein.

Argumentation:

 

  • Neben der Wasserstelle ist eine Nische, in der eine Person hocken kann. Daneben passt eine weitere in den hier auslaufenden Gang (in diesem Fall Priester und Pate/in).
  • Neben dem Abstieg zur Höhle weist die mittelalterliche Nordmauer der Kirche ein zugemauertes karolingisches Portal auf. Im Mittelalter wurden Kinder oft im Eingangsbereich einer Kirche getauft, um die Dämonen abzutöten, bevor das Kind den heiligen Raum betritt. Allmuthshausen ist aber so klein, daß die Kirche keinen nennenswerten Eingangsbereich hatte.
  • Die Kirchenrechnung von 1596 (also nach Verschließen der Höhle) bezeugt die Anschaffung eines Taufsteins, gekauft bei einem Steinmetz Johannes aus (Groß-) Ropperhausen (NB: Es handelt sich um den derzeit noch benutzten Taufstein. Der Taufstein in Leuderode, der ihm nahezu gleicht, trägt die Jahreszahl 1579). Die Anschaffung eines Taufsteins kann nötig geworden sein, weil man nach der Reformation von dem katholischen Brauch und dem Dämonenglauben Abstand genommen hat.

 

 

Eine Kombination aus allen Thesen ist nicht ausgeschlossen.

08.Juli 2014/ES